Der Pinzgau

 Der politische Bezirk Zell am See ist deckungsgleich mit dem Pinzgau, einem der fünf Gaue des österreichischen Bundeslandes Salzburg. Flächenmäßig ist der Pinzgau der größte Salzburger Bezirk. Der Name Pinzgau stammt von den früher entlang der noch unregulierten Salzach vorkommenden Binsen. Im Osten grenzt der Bezirk an den Pongau, im Westen an das Bundesland Tirol, im Norden an Deutschland und im Süden von Westen nach Osten an Südtirol (Italien), Osttirol und Kärnten. Der Bezirk Zell am See ist der Fläche nach der drittgrößte Bezirk Österreichs.

 

 

 

Geschichte

Im Jahr 923 werden die Grafschaften Ober-, Mittel- und Unterpinzgau in Urkunden erwähnt. Ursprünglich war der Pinzgau ein Teil des Herzogtums Bayern.1328 kam er unter die Herrschaft der Salzburger Erzbischöfe bis zum Ende des geistlichen Fürstentums 1803. Nachdem der Pinzgau kurze Zeit wieder unter bayrischer Verwaltung stand, kam er 1816, wie ganz mit Salzburg zu k.k. Österreich unter die Landesverwaltung von Oberösterreich. Mit der Entstehung eines eigenen Kronlandes Salzburg 1848 kam der Pinzgau zu Salzburg. Die Bezirkshauptmannschaft war 1850 bis 1854 in Saalfelden untergebracht und kam dann nach Zell am See.

Tourismus

Der Pinzgau ist neben der Stadt Salzburg der wichtigste Bezirk des Salzburger Fremdenverkehrs. Das Zentrum bildet die Urlaubsregion Zell am See - Kaprun mit dem Zeller See und dem Ganzjahreskigebiet am Kitzsteinhorn. Das Salzburger Saalachtal wird für den Fremdenverkehr vom Tourismusverbandes Salzburger Saalachtal vermarktet. In diesem Bereich sind das Glemmtal mit dem Tourismusverband Saalbach Hinterglemm und im Winter mit dem Skicircus Saalbach-Hinterglemm-Leogang und die Urlaubsregion Saalfelden-Leogang mit Schwerpunkt Mountain Biking im Sommer zu erwähnen.

Eine einzigartige Attraktion stellt der Nationalpark Hohe Tauern dar. Unter den zahlreichen Sehenswürdigkeiten in diesem Nationalpark seinen die Krimmler Wasserfälle und die Großglockner Hochalpenstraße genannt.

Geographie

Landschaftlich umfasst der Pinzgau die Einzugsgebiete der oberen Salzach (vom Gerlospass bis zur Einmündung der Gasteiner Ache) und der oberen Saalach (von Saalbach-Hinterglemm bis zur deutschen Grenze am Steinpass). Die Saalach durchfließt nach dem Verlassen des Glemmtales ein sich in nord-südlicher Richtung erstreckendes, zum oberen Salzachtal hin offenes Becken, in dem die Bezirkshauptstadt Zell am See im Süden und die Stadt Saalfelden im Norden liegen. Bei Maishofen, das sich zwischen diesen beiden Städten befindet, liegt die Wasserscheide zwischen der Saalach (hier 757 m Meereshöhe) und dem nur dreieinhalb Kilometer entfernten, nach Süden zur Salzach entwässernden Zeller See (750 m Meereshöhe) weniger als 10 Höhenmeter über der Saalach.

Da der Pinzgau nördlich von Lofer an Deutschland sowie auf dem Alpenhauptkamm (Kamm der Hohen Tauern) im Bereich der Venedigergruppe und der Granatspitzgruppe an Italien grenzt, führen alle innerösterreichischen Verkehrswege von und nach Nordtirol und Vorarlberg durch diesen Bezirk. Schon 1873/75 wurde er durch die Salzburg-Tiroler-Bahn erschlossen. Der transalpine Verkehr zwischen Deutschland und Italien berührt das Gebiet aufgrund der schweren Überwindbarkeit der Hohen Tauern dagegen erst seit dem Bau der Großglockner-Hochalpenstraße im Jahre 1935. Eine weitere wichtige Nord-Süd-Verbindung wurde 1967 nach Osttirol mit der Eröffnung des Felbertauerntunnels geschaffen.

Von den Hohen Tauern gehört außerdem die Glocknergruppe zum Pinzgau. Des Weiteren hat der Bezirk Anteil an den Mitteralpen um das Glemmtal, am Steinernern Meer, an den Dientener Bergen und an den Loferer Steinbergen. Die Leoganger Steinberge umfasst er fast vollständig.

Ein für Bergwanderer reizvoller, mehrtägiger Bergwanderweg ist der Pinzgauer Höhenweg, der von Obertauern über Zell am See nach Westen in die Kitzbüheler Alpen führt. Als Verlängerung gibt es einen Weitwanderweg durch Tirol.

Kultur und Sprache

Der Pinzgau, als Teil des Innergebirgs, hat eine recht eigenständige Volkskultur. In der Dialektsprache, dem Pinzgauerisch, eine Unterform des Mittelbairischen, mischen sich die Salzburgischen Elemente, die dem Pongauerischen verwandt sind, mit westlichen Tiroler Elementen, im Oberpinzgau mit Südbairischem (süd-/osttirolischem) Einfluss.

Das Heilwissen der Pinzgauerinnen, gesammeltes Wissen rund um die Heilmittel und deren praktische Anwendung im Pinzgau (eine Liste mit 106 Heilmitteln, deren Indikationen und Wirkungen ist erfasst), wurde 2010 als Immaterielles Welterbe, wie es die UNESCO deklariert, in die Österreichliste (Nationales Kulturgut) aufgenommen. Ebenso fand das Hundstoaranggeln am Hohen Hundstein darin Aufnahme, ein Kampfritual (Ranggeln) und eine der ältesten Sportarten, die im Alpenraum ausgetragen wird.