Die Geschichte des Pinzgaus

4.000 v. Chr. - 500 v. Chr.
Die ersten Nachweise über eine Besiedlung im Pinzgau sind in der letzten Steinzeitperiode in der Gegend von Bischofshofen zu finden, wo eine Werkstätte für Klopfsteine, Spitzen, Hacken, Keile und Schlegel bestand. Nachweise einer dichten Besiedlung sind um die Bronzezeit, etwa 2200 Jahre vor Christus, zu finden, denn sowohl im Pongau wie auch im Pinzgau und dem benachbarten Tirol waren Kupfererze zu finden. Forschungen ergaben, dass sich auf dem Falkenstein bei Krimml eine Siedlung befunden haben muss, die mindestens 16 Hütten umfasste ein kleines Kupferbergwerk befand sich auf der Stimmel bei Stuhlfelden. Die grossen Bergwerke des Pinzgaues hingegen waren in Viehhofen.

Auf die Menschen der Bronzezeit folgen die der Hallstattzeit. Die älteste Periode davon nennt man die Urnenfelderzeit, und ihren Namen hat diese geschichtliche Periode deshalb, weil am Salzberg zu Hallstatt ein großes Gräberfeld dieser Menschen gefunden wurde. Die Hallstattleute des Pinzgaues wohnten in der Gegend um Högmoos, am Burgstall bei Gries, auf dem Naglköpfl, am Falkenstein und in Uttendorf. Das war etwa um die zeit 1200 bis 500 vor Chr. Die Hallstattmenschen waren ihrer Abstammung nach Illyrer, sie kamen vom Balkan herauf. Die Illyrer der Hallstattzeit kamen in eine Periode der Klimaverschlechterung. Es gab viele Niederschläge, die Gletscher rückten vor. Die Leute steuerten einen gewissen Luxus an, wie aus Grabbeigaben zu entnehmen ist.
Sie konnten sich nicht mehr halten, als etwa um 500 vor Chr. Kelten ins Land eindrangen.

500 v. Chr. - 500 n. Chr.
Zwischen 15 und 11 v. Chr. eroberte das römische Militär das Königreich Noricum, zu dem neben dem übrigen Salzburg natürlich auch der Pinzgau gehörte. Die Römer vertrieben die keltische Bevölkerung nicht, stellten Militär ins Land, bauten eine Verbindungsstraße über den Radstädter Tauern und brachten nicht nur eine neue Sprache - Latein -, sondern auch eine neue Kultur, neue Kenntnisse und neue Waren aus dem Süden ins Land. Die Römer bauten Saumwege über die meisten Alpenpässe, benützten aber auch den alten Weg übers Hochtor nach Heiligenblut, wie eine römische Herkulesstatute und eine Tonlampe, die man dort fand, beweisen.

Römische Siedlungen gab es im Pinzgau an mehreren Orten. Eine befand sich am Biberg bei Saalfelden. Heute noch findet man die Spuren der Römer, wie zum Beispiel in Taxenbach, wo ein Münzenschatz ans Tageslicht kam, oder Zell am See, wo man 1952 anläßlich des Grundaushubes an der Berglehne des Fuchslehens Tafelgeschirr aus der Zeit um etwa 30 bis 160 n. Chr. ausgrub.

Übrigens zogen die neuen Herrscher beträchtlichen Nutzen aus den eroberten Provinzen. Es mussten Steuern nach Rom geleistet werden, sowohl in Geld, das war der "Tribut", lateinisch tributa genannt, als auch in Naturalien. Die Bergwerke waren zu dieser Zeit verstaatlicht, außerdem behielten sich die römischen Besatzer vor, Brückenzölle einzuheben.

500 - 1000
Nach dem Zusammenbruch des Römerreiches, Forschungen ergaben, dass sich kaum Römer für ständig in diesem Gebiet ansiedelten, denn es erhielten sich keine römischen Namen, kamen um etwa 500 n Chr. Baiern ins Land. Der bairische Herzog wurde nach dem Abzug der Römer Obereigentümer des Pinzgaues.

Die von den Römern verlassenen Gebiete verblieben dem Landesherren und wurden später "landesfürstliche Frey" genannt. Die Bauernlehen wurden in den meisten Fällen belassen, aber die Besitzer mussten eine jährliche Abgabe leisten, die man später Stift, Gült oder Zehent nannte.

Die ersten deutschen Siedlungen erkennt man heute noch an den Endsilben der -ing und -ham Namen sowie am typischen Hausstil, dem Einheitshaus, das unter einem Dach Wohn- und Wirtschaftsräume sowie Stallungen vereinigte.

1000 - 1300
Die zweite Siedelzeit war die Kolonisation durch die geistlichen und weltlichen Herren. Sie fängt ungefähr mit dem Jahre 1000 an und dauerte rund 300 Jahre. Die Bischöfe und Grundherren schenkten immer wieder Waldgebiete und Weideland zur Rodung und Aufrichtung neuer Bauernlehen her. Man nannte sie Neubrüche, Novalien und Huben. Besonders die Klöster ließen solche Rodungen durchführen oder machten sie selber.
Im Pinzgau bekam das Kloster Kaishaim an der Donau solche Gebiete in Wald und Krimml, das Kloster Millstatt in Kärnten Besitzungen in Uttendorf, das Stift Berchtesgaden, Stift Höglwörth, das Bistum Chiemsee und andere bekamen Gebiete und Güter, die sich im Pinzgau befanden.

Als die Bajuwaren im Pinzgau Siedlung nahmen, kamen natürlich auch zahlreiche Lebensformen und Bräuche ins Tal. Die Bajuwaren verehrten Wotan als obersten Gott, Donar, Freija und andere. Heute noch sind die alten Wochentagsnamen Erinnerung an diese Zeit, der Donnerstag ist der Erchtag; alte Bräuche, wie der Perchtenlauf, Sonnwendfeuer, das Füttern der Obstbäume am Bachltag, sind heute noch lebendig und halten sich im bäuerlichen Alltag, wenn auch nur mehr Volkskundler und Wissenschaftler um die eigentliche Bedeutung wissen.  

Saalforste:
Die Bayerischen Saalforste im Salzburger Pinzgau sind ein Teil des bayerischen Staatswaldes. Diese Waldungen auf heute österreichischem Gebiet sind Eigentum des Freistaates Bayern, gehören aber zum staatlichen Hoheitsgebiet von Österreich. Sie dienten früher der Versorgung der Saline in Bad Reichenhall mit Brennholz und stehen unter der Verwaltung des öffentlich-rechtlichen Unternehmens „Bayerische Saalforsten“. Sie erstreckten sich ursprünglich, mit Ausnahme des Gebiets zwischen Mittersill und Gerlospass, über weite Teile des Pinzgaus und den Bezirk Kitzbühel. Eine ausreichende Versorgung der Saline mit Brennholz war nämlich bis zur Umstellung auf Kohle im Jahre 1911 Voraussetzung für eine rentable Salzerzeugung.

Die Salzburger Güterverzeichnisse aus der Zeit zwischen 790 und 800 geben die frühesten Hinweise auf Salinenwaldungen im Pinzgau und die Holztrift auf der Saalach nach Reichenhall. Ab dem 11. Jahrhundert breitete sich dann der Holzeinschlag für die Reichenhaller Saline immer weiter die Saalach und ihre Nebenbäche flussaufwärts aus. Auch in den Tälern an der Nordseite der Hohen Tauern müssen einmal Salinenwälder gelegen haben, die aber wegen des enormen Aufwands bei der Holzbringung bereits im 13. Jahrhundert wieder aufgegeben wurden. Die Grundlage für die Holztrift aus dem Pinzgau beruhte auf dem Grundbesitz der Reichenhaller Siedeherren in diesem Gebiet, das seit 1228 dem Erzbischof von Salzburg gehörte. Erst mit der völligen Ablösung Salzburgs von Bayern im Jahre 1328 lagen die Wälder tatsächlich im „Ausland“. Mit der Verstaatlichung der Saline durch den bayerischen Herzog um 1500 wurde aus den privaten Waldungen schließlich Staatsbesitz. Das Leukental (Raum Kitzbühel u. St. Johann) und das Pillerseetal waren früher auch Teil der Saalforste. Sie gehörten bis 1504 zu Bayern und waren, nachdem das Gericht Kitzbühel an Tirol fiel, für die salinarische Nutzung verloren. Im Bewusstsein, dass eine rentable Salzerzeugung eine geordnete Holzwirtschaft und -logistik voraussetzt, wurde 1509 mit einer „Waldmeisterstelle“ eines der ersten Forstämter Mitteleuropas eingerichtet. Die Besitzverhältnisse an den heute über 18.000 Hektar großen Waldgebieten wurden erstmals 1525 durch den sogenannten Mühldorfer Vertrag geklärt und später, 1781, durch den Salinenhauptvertrag noch einmal bestätigt. Im Jahre 1529 erstellte man das sogenannte „Waldbuch“, in dem bereits die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes vorgeschrieben wurde.

1805 gingen weitere Gebiete, wie etwa das Glemmtal (Saalbach-Hinterglemm) für die Saalforste verloren.

Es dauerte lange, bis alle Streitigkeiten um das Waldgebiet endgültig beigelegt waren: Erst lange, nachdem Salzburg 1816 politisch zu Österreich kam, konnte sich König Ludwig I. von Bayern die Forstrechte des Königreiches Bayern auf immer sichern; am 18. März 1829 wurde die Salinenkonvention vereinbart, in der der österreichische Kaiser dem Nachbarstaat neben einigen anderen Rechten auch die Rechte am Forst zugestand. „Die Saalforste gehören auf unwiderrufliche Zeiten zu Bayern”, heißt es im Staatsvertrag mit Österreich. Zwar wurde angesichts schwieriger Staatsfinanzen seitens des bayerischen Staates kurzzeitig ein Verkauf ins Auge gefasst, dann aber wieder verworfen.

Die Saalforste wurden seit dem 19. Jahrhundert durch die bayerischen Forstreviere bzw. ab 1885 durch die neuen Forstämter in Sankt Martin bei Lofer, Unken und Leogang (zuletzt nur noch in St. Martin) als bayerisches Eigentum verwaltet. Seit der Forstverwaltungsreform von 2005, die zur Auflösung aller bayerischen Forstämter führte, bewirtschaftet der Forstbetrieb Bayerische Saalforsten in St. Martin die Waldungen.

Der Freistaat Bayern könnte durch die Zulassung der Nutzung seiner Flächen für Skilifte und Skipisten sowie zur Rohstoffgewinnung zusätzliche Einkünfte neben der Holzwirtschaft erzielen. Inwieweit dies geschehen soll, ist angesichts der Abwägung von Naturschutz und Wirtschaftlichkeit umstritten.

1300 - 1800
Das Land befand sich im Besitz des Herzogs. Einen Teil davon gab er zum Lohn für treue Dienste an seine Untertanen ab, das waren in erster Linie die Grafen. Grafen waren Generale, Richter und Verwalter des Gaues. Bei der Übergabe eines Landstückes überreichte der Grundherr dem Lehensmann ein Stück Rasen. Hob der Belehnte den Rasen auf und nahm er ihn an, so galt er als Besitzer des fraglichen Grundes. Die Baiern haben die von den Römern verlassenen Güter übernommen und die sogenannte "Egartenwirtschaft", man versteht darunter vierfachen Fruchtwechsel, eingeführt.

Die alten Grafengeschlechter sind teilweise ausgestorben, lediglich die Namen deuten auf ihre Existenz, einzelne ragen als Persönlichkeiten hervor, wie etwa die Herren von Mittersill, deren Wappen die Marktgemeinde übernommen hat. Die Grafen von Peilstein, die ihren Hauptsitz in Reichenhall hatten, sind bis zum Jahre 1219 registriert, die Grafen von Plain kamen ursprünglich aus Kärnten. Sie begründeten um 1148 das Kloster Höglwörth bei Teisendorf.

1800 - 1857
Der Pinzgau kam als Folge der napoleonischen Kriege an das Haus Österreich und wurde nun von Franz I., der in die Geschichte als "guter Kaiser Franz" einging, regiert.

Der Kaiser versprach den Pinzgauern, die immer wieder von Hochwassern heimgesucht wurden, eine Entwässerungsaktion; Grund genug, mit dem neuen Herren für´s erste zufrieden zu sein.

Das Jahr 1848, mit Revolution und allgemeinen Umschichtungen, war auch im Pinzgau nicht spurlos vorübergegangen. Österreich erhielt eine neue Verfassung, das Reich wurde von der absoluten zur konstitutionellen Monarchie umgeschichtet. Das Grundgesetz für die neue Verfassung wurde 1861 verabschiedet, erst in diesem Jahr bekam Salzburg einen eigenen Landtag und eine Vertretung im Abgeordnetenhaus durch fünf gewählte Männer. Die Geschichte Österreichs, der Donaumonarchie, wie das große Reich einst hieß, ist nun auch Salzburgs und des Pinzgaus Geschichte.

1857 - 1914
Als 1857/60 die Reichsstrasse von Salzburg über Pass Thurn, 1875 die Bahnstrecke Salzburg - Innsbruck und 1898 auch die Bahnstrecke Zell am See - Krimml eröffnet werden konnten, waren die wesentlichen Vorraussetzungen für einen - vorläufig noch zaghaften - Touristenverkehr gegeben. Aus diesen bescheidenen Anfängen hat sich jedoch ein wirtschaftlicher Erwerbszweig zu einer der Haupteinnahmequellen für große Bevölkerungsdichte geworden ist. Leistungsfähige Gast- und Beherbergungsbetriebe tragen sehr wesentlich dazu bei, dass immer mehr Menschen in dieser unvergleichlichen Hochgebirgslandschaft Erholung suchen.

Als im Jahr 1898 ein ehemaliger Knecht beim "Reiterbauern" in Saalbach von seiner Arbeitsstätte in Mürzzuschlag wieder in seine Pinzgauer Bergheimat zurückkehrte und die im Steirischen schon bekannten Skier mitbrachte, leitete er damit eine bis heute florierende Sportära ein: Der damals in Saalbach tätige Oberlehrer Peter Höll wusste seine Buben für den neuen Sport zu begeistern, und bald griffen auch manche Erwachsene zu den "Brettern", die mittlerweile "die Welt erobert" haben - im Pinzgau war der Siegeszug des Skilaufes nicht mehr zu bremsen. Es mutet wie ausgeklügelte Regie an, dass ausgerechnet in Saalbach, dem heute bedeutendsten Salzburger Wintersportort, der "weiße Sport" seinen Anfang genommen hat.

1914 - jetzt
Nach einiger Zeit des Aufbaues, des Friedens, erschütterten die Schüsse von Sarajewo Europa. Erster Weltkrieg, die Zerstückelung des großen Reiches, und der Rest, das kleine Österreich heutigen Ausmaßes, das ist Geschichte, die ein Teil der älteren Zeitgenossen jedenfalls noch selbst erlebt hat.

Als nach dem Abzug der Besatzung im Jahre 1955 - im Pinzgau waren Amerikaner die Herren - der allgemeine wirtschaftliche Aufschwung wieder einsetzte, besann man sich auf das größte Kapital, das im Pinzgau zu finden war: seine landschaftliche Schönheit. Er wurde in den letzten Jahrzehnten zum Fremdenverkehrszentrum besonderer Prägung.

Nicht nur die sprichwörtliche Gastfreundschaft im Pinzgau, sondern auch die entsprechende Infrastruktur und Qualität der Fremdenverkehrseinrichtungen, kulturelle Ereignisse, Unterhaltung und Sportmöglichkeiten sind mit ein Grund für den Erfolg.